Ohne Schnick & Schnack | Schulwechsel – ja oder nein
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Schulwechsel – ja oder nein

Unser Kind geht aktuell in die erste Klasse und kommt dementsprechend nach den Sommerferien in die zweite. Wir haben uns vorab nicht viele Gedanken über die Einschulung gemacht. Denn die Kita hatte unseren Kleinen schon aufgrund der Nähe bei der Schule gegenüber angemeldet. Der Laufweg beträgt etwa 150 Meter.

Was will man als Eltern mehr? Das Kind kann allein zur Schule hingehen und auch wieder nach Hause kommen. Das nimmt den Druck, immer pünktlich vor Ort zu sein. Und was wir als Eltern gehört haben, war über die Schule auch nicht so schlecht, dass wir von vornherein ins Schwanken gekommen sind. Ein weiterer Grund ist, dass er mit all seinen Freunden aus der Nachbarschaft und der Kita in eine Klasse bzw. Schule gekommen ist. Und wir dachten, die Grundschule ist nicht so schwierig, da bekommen wir das Kind schon durch.

Ein sehr holpriger Schulstart

Und dann ging es los mit der Schule… Gleich die ersten Wochen waren für unsere kleine Familie eine größere Herausforderung, verbunden mit zahlreichen Streitereien, Weinen und Türenschlagen bei allen Parteien.

Wir waren uns im Klaren: Wir haben einen Sohn und dieser spielt lieber draußen mit seinen Freunden als am Tisch zu sitzen. Das war schon in der Kita so. Und man hat ihn auch machen lassen. Während alle anderen Kunstwerke kreiert und die tollsten Bilder gemalt haben, war unser Kind draußen. Und das war mir auch besonders wichtig. Frische Luft ist alles. Er war die letzten zwei, fast drei Jahre bis auf einen Schnupfen und einen Mini-Magen-Darm-Virus nie krank (Er hat nur immer alle Viren und Bakterien an die Eltern weitergegeben.)

Allein gelassen als Linkshänder

Es war für ihn dementsprechend eine Herausforderung, in der Schule zu sitzen und die Aufgaben zu lösen. Er hatte echt Probleme, anzukommen. Er hat viel geschaut und geschaut und wenig in der Schule gearbeitet. Zudem ist er Linkshänder. Ein großer Fahler von uns: Wir haben uns verleiten lassen, zu glauben, dass er das irgendwie hinbekommt. Die Standardantwort war immer: „Das wird schon, macht Euch keine Sorgen“. Wir haben die Unterstützung in der Schule gesucht und leider nicht bekommen. Wir mussten als Eltern allein durch. Wir haben mit einer Linkshänderin-Expertin gesprochen, die auch an der Schule war, sowohl in der Klasse als auch zur Fortbildung der Lehrer. Ich merke nicht, dass hier bei unserem Kind irgendetwas seitens der Schule passiert ist, dass er unterstützt wurde, dass ihm gezeigt wurde, wie er den Stift halten muss, dass er wieder daraufhin gewiesen wird, wie er das Papier zu legen hat. Wir waren zur Ergotherapie ein bis zwei Mal die Woche. Wir haben mit dem Klettern angefangen, um die Feinmotorik zu schulen. Und wir haben zusammen mit unserem Sohn an der Linkshändigkeit gearbeitet. Wir haben, nachdem er draußen unterwegs war, neben den Hausaufgaben auch noch Kuchen gebacken, Perlen sortiert, Untersetzer gebastelt, gesägt, geschraubt und überhaupt. Das war eine sehr, sehr anstrengende Zeit für uns.

Auch hatten wir immer mehr das Gefühl, dass die Lehrer in der Schule nicht kontrollieren, ob unser Sohn mitarbeitet… jedes Kind kann machen, wie es möchte. Möchte es heute mehr Mathe (was auch immer mehr heißt) machen, dann macht es Mathe und kein Deutsch. Also haben wir nachmittags ewig lange Hausaufgaben machen müssen, weil er den Tages- bzw. Wochenplan in der Schule nie geschafft hat. Und ich bin nur die Mama und nicht die Lehrerin. Dementsprechend war ich auch immer die „Böse“. Das war so megaanstrengend für mich und stellte mich als Selbständige vor ganz schöne Herausforderungen. Abendarbeit war und ist immer noch oft „daily business“.

Gewalt und Brutalität an der Schule – wie bringe ich dem Kind das richtige Verhalten bei?

Ein weit größeres Problem hatten wir zu Beginn des Jahres. Da gab es Ärger mit großen Schülern und unserer Meinung nach, wurden diese Geschichten innerhalb der Schule mehr unter den Teppich gekehrt als sich damit auseinanderzusetzen. Also waren wir auch hier wieder als Eltern gefragt, diese Situationen vernünftig zu klären, damit das Kind ein richtiges Verständnis von richtig und falsch behält. Und das war ein langer Kampf, den ich leider immer noch nicht für beendet halte. Aber auch hier frage ich, wie weit muss ich mich hier als Eltern einbringen? Ich fühle mich wie Don Quijote gegen die Windmühlen. Und diesen Kampf habe ich nach einigen Wochen aufgegeben.

Unterhält man sich mit anderen Eltern sowohl von dieser als auch von anderen Schulen, merkt man die kleinen, aber feinen Unterschiede. Und ich habe angefangen zu hinterfragen. Ich habe versucht, mit der Schule zu sprechen und zu schauen, wie ich mein Kind voranbringen kann, ohne zu viel Druck zu machen. Ich hab mir die Meinungen von anderen Eltern angehört. Und dann wusste ich nicht weiter, was ist richtig und gut für mein Kind, was nicht.

Schulwechsel – Die Entscheidung für den Kopf war einfach, das Herz hat gelitten

Ich habe mir einen Termin in einer anderen Schule gemacht, um eine Beratung zu bekommen. Das tat mir sehr gut, mit jemandem vom Fach zu sprechen. Am Ende bleibt die Entscheidung natürlich weiterhin uns Eltern überlassen. Und wir haben beschlossen, etwas mehr mit dem Kopf an die Sache zu gehen und an die Zukunft zu denken als mit dem Herzen, um ihn vor diese neue, größere Herausforderung zu stellen. Denn die ersten Eindrücke angefangen von dem Gespräch mit der Schulleiterin über den ersten Besuch mit dem Kind bis zum Kennenlernen der Klassenlehrerin letzte Woche haben bestätigt, wir haben die beste Entscheidung getroffen. Ab August geht unser Kind auf eine neue Schule und ich bin gespannt.

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